Reisebüro versus Webseite – Ein Vergleich


Immer mehr Menschen buchen Ihre Reise online. Hat das gute alte Reisebüro somit ausgedient? Tourismus-Studieren.de hat Fakten zusammengetragen und einen Vergleich gezogen.

Die deutsche Tourismusbranche steckt seit einigen Jahren im Wandel: Die klassische Katalogbuchung, zu festen Preisen bei den immer gleichen Anbietern verliert zunehmend an Käufern. Wo früher der Weg vor dem Urlaub ins Reisebüro führte, ist heute der Klick zu Online-Anbietern viel näher. Auch der Präsident des Deutschen ReiseVerbandes (DRV), Klaus Laepple, fasst zusammen: “Die Reisebranche ist im Umbruch.”

Bedeutet dies den langsamen Untergang der Reisebüros? “Nein” meint Christoph Meerheim, Inhaber einer Reiseagentur. “Es wird immer Leute geben, die sich lieber im Reisebüro persönlich beraten lassen, als auf fünf verschiedenen Webseiten zu suchen.” Gerade die wachsende Zahl der älteren Menschen in Deutschland sei nicht zu vernachlässigen. Denn sie bevorzugen eher den Kontakt zu einem Reiseberater als die Möglichkeit, ein paar Euro zu sparen. Vorteile wie Unabhängigkeit, Flexibilität, Vertrauenswürdigkeit und natürlich die langjährige Erfahrung spielen hier die größe Rolle. “Inbesonders bei komplizierten Buchungen kommt Das Know-How der Berater zum Tragen. Zudem bietet ein Reisebüro der Kundschaft eine Rückendeckung, wenn etwas mit dem Hotel oder dem Reiseveranstalter schief geht”, so Meerheim.


Dennoch steht der klassische Reisevertrieb über Einzelläden vor Veränderungen. In keinem anderen Land der Welt gibt es eine so hohe Reisebüro-Dichte wie in der Bundesrepublik. “In Deutschland entfallen 12,7 Reisebüros auf 100 000 Einwohner”, sagt DRV-Präsident Laepple. Doch die Zahl ist rückläufig, den Büros macht die Konkurrenz des Internets zu schaffen. Innerhalb eines Jahres ging sie um 500 Reisebüros zurück. 2007 gab es rund 11.400 Büros, vor wenigen Jahren waren es noch einige tausend mehr. Viele Experten raten den Reisebüros daher, neben dem Geschäft im Laden zusätzlich auf einen Online-Auftritt zu setzen, um so den neuen Kundenanforderungen nachzukommen bzw. neue Kunden zu gewinnen.

Das Internet hat sich mittlerweile nicht nur für Hotels, Pensionen und Anbieter von Ferienwohnungen, sondern auch für Fremdenverkehrsvereine, Tourismusverbände und Online-Vermarkter als bester Weg entpuppt, um neue und alte Gäste zu erreichen. Rund drei Viertel aller deutschen Onliner, insgesamt 32 Millionen User, interessieren sich für Reise- und Touristikangebote. Der größte Teil davon informiert sich online und über die Hälfte kauft sogar im Netz.

Viele Zahlen belegen die zukünftige Dominanz des Webs: Der Online-Reisemarkt in Europa hat sich von 1 Milliarde Umsatz im Jahr 2000 auf über 31 Milliarden Euro Umsatz im Jahr 2006 hochgeschraubt. In Ländern wie England erreichte der Online-Anteil am Reisegeschäft im Jahr 2005 bereits 20% am Gesamtumsatz. Gerade die Low-Cost-Carrier, auch Billigflieger genannt, und der mit günstigen Flügen zusammenhängende Boom kurzer Städte- und Urlaubsreisen begünstigt das Internetgeschäft. Mehr als 15 Millionen Deutsche haben bereits eine Reise oder einen Teil online gebucht, das ist jeder Vierte über 14 Jahren. Generell haben 71% der Reisenden vor der Buchung das Internet für Preisvergleiche genutzt. Die Pauschalreise, einst Lieblingsurlaubsart der Deutschen, erlebt einen Verfall. In der Studie “Reisemonitor 2008″ veröffentlicht der ADAC Verlag, dass 56 Prozent aller Deutschen ihr Urlaubsprogramm selbst zusammenstellen und bereits eine Unterkunft über das Internet bezogen haben. Schlecht für die klassischen Reisebüros: 34 Prozent der Befragten nutzen regelmäßig das Internet, während nur noch 29 Prozent Reisebüros aufsuchen.

Viele Branchenexperten sagen dennoch nicht den Tod der klassischen Reisebüros voraus. Zumindest nicht für diejenigen, die den Wandel als Chance betrachten. Reisebüros müssen sich klar positionieren, dem Kunden muss klar sein, dass die Qualität bietet. Und er muss natürlich gut beraten werden. So kann gegen die Online-Konkurrenz gepunktet werden. Und wenn die Tourismusbranche weiter boomt, ist Platz für beide Arten. So erwartet der Deutsche ReiseVerband für die Saison 2007/2008 rund drei Prozent Wachstum. Das wäre ein neuer Rekord und die Deutschen dürften ihren Titel als Reiseweltmeister halten.