Bachelor vs. Master – Der Bologna-Prozess und seine Veränderungen

Die gesamte deutsche Hochschullandschaft befindet sich im Umbruch. Die Einführung des gestuften Studiensystems mit Bachelor- und Master-Studiengängen in Deutschland wird als der Bologna-Prozess bzw. die Bologna-Reform bezeichnet. Der Name stammt von der italienischen Stadt, in der 1999 die europäischen Bildungsminister die Weichen für eine Vereinheitlichung der Strukturen der Hochschulbildung in Europa gestellt haben. Ziel war die Entwicklung eines europäischen Hochschulraumes, in dem Studenten und Hochschulabsolventen grenzüberschreitend studieren, forschen und arbeiten können.

Mittlerweile ist diese Entwicklung fast abgeschlossen – die Ergebnisse lassen sich auch in unserer großen Datenbank mit allen Tourismus Studiengängen in Deutschland erkennen: Dort sind keine Diplom Studiengänge mehr vertreten, sondern nur noch Studiengänge mit Bachelor und Master Abschluss. Im Nachfolgenden geben wir einen Überblick über den Bologna-Prozess und seine Auswirkungen auf dich als Student/in.

Warum wurde die Umstellung auf Bachelor und Master beschlossen?

Das übergeordnete Ziel der Bologna-Reform: Egal, ob man in Mailand, Stockholm oder Berlin studiert – die Studienabschlüsse und im Ausland erbrachte Leistungen sollten europaweit vergleichbar sein. So erhofft man sich eine bessere Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Absolventen mit denen aus Asien und Amerika. Generell wurden bei der Konferenz in Bologna drei Ziele vereinbart, die mit der Reform erreicht werden sollen:

  • Förderung der Mobilität innerhalb des europäischen Bildungsraumes
    Den Studierenden soll es einfacher ermöglicht werden, ein Semester im Ausland zu absolvieren. Bei den Diplom Studiengängen gab es oftmals Probleme, die an ausländischen Hochschulen erbrachten Leistungen auf das Studium in Deutschland anzurechnen. Durch die Aufteilung der Studieninhalte in sogenannte Module und die Vergabe von Credit Points soll diese Vergleichsmöglichkeit geschaffen werden.
  • Internationale Wettbewerbsfähigkeit
    Wie schon geschrieben, sollen die Absolventen von deutschen, italienischen, schwedischen etc. Hochschulen ihre Wettbewerbsfähigkeit auf dem internationalen Beschäftigungsmarkt verbessern. Auch internationale Konzerne mit Sitz in Amerika oder Asien sollen nun besser wissen, was ein Studienabsolvent gelernt hat und ihn dementsprechend schneller einstellen.
  • Beschäftigungsfähigkeit („employability“)
    Die Diplom und Magister Studiengänge waren zum Großteil auf 4 Jahre (also 8 Semester) oder sogar 5 Jahre (10 Semester) ausgelegt. Man verbrachte als Student also eine lange Zeit in der Uni oder FH, bevor man mit einem Studienabschluss dem Arbeitsmarkt als Nachwuchs zur Verfügung stand. Dies hat sich nun geändert. Der erste Abschluss, der “berufsbefähigend” ist (also die Qualifikation für den Einstieg in die Berufswelt darstellt) ist mit einem Bachelor schon meistens nach 6 Semestern (3 Jahren) erreicht. Nur wer sich dann noch weiterqualifizieren möchte, der absolviert entweder direkt nach dem Studium (konsekutiv) oder nach ein paar Jahren im Beruf (exekutiv) noch einen Master.

SRH Riedlingen Tourismus

Was bedeutet die Umstellung auf Bachelor und Master für mich?

Die Umstellung bedeutet leider für die meisten Studenten einen strafferen Studienplan. Bestimmt hast du auch schon davon gehört, dass ein Bachelor Studium sehr vollgestopft ist mit Vorlesungen, Selbstlernphasen und Klausuren. Im Vergleich zu den “gemütlicheren” früheren Abschlüssen wie Diplom oder Magister sind jetzt halt viele Inhalte für einen kürzeren Studienzeitraum ausgelegt.

Für deine Chancen auf dem Arbeitsmarkt bedeutet das Bachelor-Master-System keine Nachteile. Zunächst wurde befürchtet, dass Bachelor-Absolventen schlechter einen Job finden und weniger Geld verdienen würden. Zeitgleich mutmaßten die Unternehmen (also Arbeitgeber), dass die Bewerber mit den neuen Abschlüssen schlechter ausgebildet wären. Diese vielen Vorurteile haben sich mittlerweile erledigt und es gibt durchaus positive Zukunftsaussichten für die zukünftigen Studienabsolventen, wie unter anderem eine Studie der Uni Mannheim belegt.

Wie schnell hat die Umstellung stattgefunden?

Das ursprüngliche Ziel war, bis zum Jahr 2010 alle Studiengänge in Europa auf Bachelor und Master umzustellen. Dass dies nicht überall klappen wird, war schon in den letzten Jahren vorherzusehen. Dennoch haben aber fast alle Hochschulen einen überwiegenden Teil ihrer Studienangebote schon umgestellt, wenn man sich diese Entwicklung anguckt: Nach Angaben des Bundesministeriums für Bildung und Forschung wurden im Wintersemester 2006/2007 in Deutschland 3.075 Bachelor- und 2.113 Masterstudiengänge angeboten. Dies entspricht bei einer Gesamtzahl von 11.492 Studienmöglichkeiten (einschließlich 2.775 Staatsexamensstudiengänge im grundständigen und 162 im weiterführenden Bereich) 45% des Studienangebots an deutschen Hochschulen. Gut 19% der Studierenden war zu diesem Zeitpunkt in Bachelor und Master Studiengängen eingeschrieben. Zum Sommersemester 2007 wurden an 338 Hochschulen bereits über 5.660 Bachelor und Master Studiengänge – davon 3377 Bachelor und 2283 Master – angeboten. Das bedeutet eine Steigerung auf über 48 % am gesamten Studienangebot. Zum Wintersemester 2010/2011 waren dann schon rund 82% aller Studiengänge (11.500 von 14.100 Studiengängen, die es in Deutschland insgesamt gibt) auf die neue Studienstruktur umgestellt. Insbesondere an den Fachhochschulen ist die Umstellung schon so gut wie abgeschlossen.

Wo finde ich weitere Informationen?

Generelle Informationen zu Bachelor und Master findest du in unseren Artikeln “Der Bachelor – was ist das eigentlich?” und “Der Master – was ist das eigentlich?” Die häufigsten Fragen zu den neuen Studienabschlüssen werden bei studieren.de beantwortet. Auch ZEIT.de hat eine große FAQ zusammengestellt. Empfehlenswert ist zudem die zuständige Seite des Bildungsministeriums.

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